Gedanken zur Hundezucht und Hundehaltung

beim Bullterrier und Miniatur Bullterrier

Zunächst allgemein und subjektiv, die allgegenwärtige Vermenschlichung der Canidae ist eine einzige Katastrophe und schadet letztendlich allen Rassen.

Es gibt heute kaum eine Anzeige, in der nicht als allererstes hervorgehoben wird, dass der angebotene Hund vor allem ein Schmuser ist. Selbstverständlich soll man mit seinem Hund auch schmusen, aber in erster Linie wollen Hunde arbeiten, bzw. geistig und körperlich ausgelastet werden! Hundeplatz, Agility, gemeinsame Unternehmungen mit dem Rudelführer, jagen, toben, spielen, Schutzdienst, Herden hüten usw., aber ganz sicher ihr Dasein nicht nur auf dem Sofa verbringen.

In der heutigen Zeit besteht das Bestreben in der Hundezucht weitestgehend darin, alle Hunde jeder Rasse so zu züchten, dass auch der letzte „Schwachkopf“ noch mit ihnen zurechtkommt. Verschont bleiben eigentlich nur Jagd- und teilweise Gebrauchshunderassen. Hiervon sind auch der Bullterrier und der Miniatur Bullterrier stark betroffen.

Heute wollen plötzlich alle Miniatur Bullterrier oder Bullterrier, diesen aber bitte weichgespült. Und kaum knurrt mal einer, will sich durchsetzen oder rauft, schon wird dem armen Kerl ein schwieriger Charakter attestiert und er muss seine Familie, sein Rudel, in eine ungewisse Zukunft verlassen. Wird einfach abgeschafft!

Vor nicht allzu langer Zeit war der Bullterrier ein durchsetzungsfreudiger, dominanter, kaum zu beeindruckender, sehr sturer und dennoch friedfertiger Hund. Er war ein Hund mit enormem „Kampftrieb“, einem Wort, das heute bei allen Vermenschlichern verpönt ist, zumeist aus Unkenntnis über diese Eigenschaft, und wich daher aus den Rassestandards des Bullterriers, sowie aus den Rassestandards div. anderen Rassen (wie z.B. Gebrauchshunderassen).

Kampftrieb wird in den jetzigen Standards mit Wörtern wie mutig (BT Standard), selbstsicher, unerschrocken beschrieben, oder auch mit Wörtern wie Triebverhalten, Belastbarkeit (Rottweiler, Schäferhunde etc.) oder auch als kühn und furchtlos wie z.B. beim Jack Russell Terrier. Aber auch Bezeichnungen wie couragiert und, entschlossener Ausdruck (z.B. Airedale Terrier) umschreiben das damalige Wort „Kampftrieb“. Viele Leute haben „Kampftrieb“ mit „Aggression“ gleichgesetzt, wobei auch hier die Definition des Wortes „Aggression“ nicht verstanden wurde/wird.

Und es soll heute noch (sehr wenige) Exemplare geben, die, vielleicht auch bedingt durch fehlende Rangordnung, einen dieser Wesensmerkmale zeigen. Wenn Hundeführer ihrer Verantwortung für diese Rassemerkmale oder besser Charaktereigenschaften nicht gerecht werden, sollen sie sich gefälligst eine andere Rasse anschaffen! Es ist ohnehin nicht nachvollziehbar, warum Menschen, die sich einen Hund anschaffen möchten, nicht zuerst einmal ihre eigene Lebenssituation prüfen und erst dann entscheiden, welche Rasse am besten dazu passen könnte. Bevor der Vierbeiner ins Haus kommt, sollte man außerdem wenigstens ein rassespezifisches Buch gelesen haben, um z. B. zu erfahren, für welche Aufgabe der Hund ursprünglich einmal gezüchtet wurde, denn die leidtragenden beim Scheitern, was Erziehung und Zusammenleben betrifft, sind immer die Hunde!

Wenn ich jetzt das Wort „Kampftrieb“ hernehme, dass lt. Rassestandards des BT und MiniBT als mutig, lebhaft und verspielt umschrieben wird, dann bedeutet dies eben auch den Gebrauch von Kiefern und Muskeln und das Bestrebens sich mit anderen zu messen.


Ist das im allgemeinen Umgang als negativ zu verstehen?

Nein, denn normal veranlagte Bullterrier Welpen zeigen dies bereits im spielerischen Umgang miteinander. Es soll einen Grundcharakter beschreiben, nämlich einen durchsetzungsfreudigen, und im Zusammenhang mit dem Bullterrier, einen beutefreudigen Hund. Einen nach vorne gerichteten Hund mit guten Nerven und einer gewissen Dominanz. Dominanz im Sinne von einem hohen Maß an Selbstsicherheit, Gelassenheit und einer hohen Reizschwelle. 
Hier spricht man im groben von rechts gelagerten Hunden.

Im völligen Gegensatz dazu stehen links gelagerte Hunde. Hunde die im Allgemeinen als Hunde mit höheren „Wehrtrieb“ bezeichnet werden. Diese Hunde neigen zu einem schwächeren Nervenkostüm und nehmen schneller eine aggressive Haltung ein. Hunde denen die Sicherheit des Rudelführers fehlt neigen mehr zu unsicheren Verhalten und/oder zur Angstaggression. Hunde mit schlechter Führung und Erfahrung können sich hier auch mal zu Angstbeißern entwickeln. Hier spricht man auch von niedriger Reizschwelle.

Generell kann man Verhalten verbessern, aber auch verschlechtern. Dies genauer auszuführen würde den Rahmen sprengen und dafür gibt es Seminare.

Doch nun zurück zum Bullterrier, der definitiv nicht gezüchtet wurde, um 24 Stunden schwanzwedelnd auf dem Sofa zu liegen, mit seinen Besitzern zu kuscheln und sich vollstopfen zu lassen, damit die Substanz erreicht wird, die im Ausstellungsring von Nöten ist. Maximum an Substanz sollte kräftig, muskulös bedeuten und nicht das die Bauchlinie nach unten zeigt. Ein gesunder Hund kann sich auf längere Zeit bewegen (und tut dies auch gerne) und den muss ich nicht zum Gassi gehen überreden oder hinterher schleifen.

Die Bullterrier wurden über die Jahre führiger gemacht, aber das Grundwesen sollte ein rechtsliegender Hund sein (Beschreibung siehe oben). Wäre dies nicht passiert würde es fast keine Hundeführer mehr für ihn geben. Ein Bullterrier war nie ein Hund für Jedermann! Er ist und war ein selbständiger Hund, den man mit liebevoller Konsequenz davon überzeugen sollte, dass das, was man von ihm verlangt, eigentlich das ist, was er selber will.

Mit einem hässlichen Hund (liegt ohnehin im Auge des Betrachters) kann man leben, mit einem wesensschwachen wird die Sache eindeutig schwieriger! Und wesensschwache Hunde findet man genug. Dazu gehören auch die neurotischen Dauerkläffer, die der Nachbarschaft den letzten Nerv rauben usw.

Ein Hund sollte alltagstauglich sein, das ist aber noch lange kein Grund die ureigensten Instinkte und Triebanlagen einer Rasse, durch menschliche Unwissenheit und Ignoranz abzutöten.

Wenn ich jetzt einen Bullterrier habe, dann muss ich mich auch mit seinen Wurzeln auseinandersetzen, d.h. man sollte seinen Spieltrieb und seine innere Überlegenheit dazu nutzen ihm auch sinnvoll auszulasten. Das funktioniert bei normal veranlagten Bullterriern und Miniatur-Bullterriern aber nicht unbedingt in der Hundezone wo er möglicherweise lernt seine Kraft einzusetzen und irgendwann einmal meint seine Überlegenheit zu demonstrieren. Natürlich kann es funktionieren, wenn sich die anderen Hunde immer unterordnen. Wenn jetzt einer stolz verkündet, er habe einen Bulli der sich immer den anderen unterordnet und sich immer und jederzeit unterwirft, der hat zwar im Aussehen einen Bullterrier, aber keinen mehr im Wesen. Dieser wird auch niemals ein so zuverlässiger Partner sein, wie einer der einem rechtslastigen und somit einem dem Wesen entsprechenden Bulli an seiner Seite hat. Wer einen Meutehund haben möchte, der wäre z.B. mit einem Beagle besser bedient.

Mein bevorzugter Hund ist sicher einer, der selbstsicher und unbeeindruckt, aber sicher nicht abgestumpft an meiner Seite ist. Natürlich darf er Freunde haben, aber die sind selektiert und nicht vom gleichen Geschlecht. Hunde die sich verstehen spazieren und schnüffeln Seite an Seite, aber sie „spielen nicht wer der Stärke ist“.

Nehmt eure Aufgabe als Bullibesitzer ernst und informiert euch im Vorfeld ob dies der geeignete Hund für euch ist. Ihr bekommt mit einem kleinen Bullterrier Welpen einen Rabauken, der wenn er gut geprägt ist, bereits selbstsicher und neugierig ist und seine Zähnchen bereits ungehemmt ausprobiert. Er ist wie ein Rohdiamant, der geschliffen unbezahlbar ist.

Wenn ihr einen gut geprägten Welpen bekommt habt, dann liegt das Endergebnis an Euch. Der Bulli ist nicht wie so oft beschrieben ein fauler Couchschläfer der zu Tode gekuschelt werden möchte, außer der Mensch hat es durch lange harte Arbeit geschafft.

Der Bulli sollte wesensmäßig ein temperamentvoller, selbstsicherer Wegbegleiter sein mit dem ich viele Aktivitäten machen kann - auch im Hundesport.

Das Zuchtziel von Züchtern sollte immer sein, funktionale, gesunde, wesensfeste Hunde zu züchten die auch optisch dem Rassestandard entsprechen. Optimal gehalten (dazu zählt natürlich auch die Fütterung und die Auslastung) sollte einem der Bullterrier dann bis ins hohe Alter viel Freude bereiten.

 

verfasst von

Sandra Zepke

Präsidentin des ÖBTC